F ür viele frischgebackene Eltern ist der Wiedereinstieg in die Arbeitswelt eine Herausforderung. Doch mit genügend Unterstützung von der Familie und ausreichend Planung ist ein Wiedereinstieg gar nicht so schwer. Judith, Mutter von zwei Kindern, erzählt uns wie sie die Rückkehr in die Arbeitswelt gemeistert hat.

Welchen Beruf hast du vor deiner ersten Schwangerschaft ausgeübt und hast du dich auf die Familienplanung beruflich vorbereiten können?

Vor der ersten Schwangerschaft war  ich als Vollzeit als Marketing & Vertriebsassistentin angestellt. Direkt vorbereitet habe ich mich eigentlich nicht, aber durch das gesicherte Einkommen meines Ex-Mannes war zumindest die finanzielle Situation geklärt. Leider war mir auch klar, dass durch die Firmengröße ein Wiedereinstieg als Teilzeitkraft wahrscheinlich nicht möglich sein würde, und so war es dann auch.

Wann und in welchem Umfang hast du den Wiedereinstieg ins Berufsleben gewagt?

Nach meinem ersten Kind habe ich nach ca. 20 Monaten wieder Teilzeit mit 22 Stunden/Woche zum Arbeiten angefangen. Wobei ich zuvor bereits hin und wieder in meiner alten Firma stundenweise ausgeholfen habe.

Judith

Judith, Mutter und Wiedereinsteigerin ins Berufsleben

Bei meinem zweiten Kind bin ich ebenfalls nach ca. 2 Jahren wieder zurück ins Berufsleben, auch in Teilzeit mit aktuell 20 Stunden/Woche.

Konntest du bei deinem vorherigen Arbeitgeber wieder starten oder musstest du dir eine neue Arbeitsstelle suchen? Gab es Probleme seitens der Arbeitgeber?

Leider war dies aufgrund der Firmengröße nicht möglich, da nur ein Wiedereinstieg als Vollzeitkraft in Frage gekommen wäre. Ich habe mir daher eine neue Arbeitsstelle gesucht. Dies hat mir jedoch auch die Möglichkeit gegeben mich beruflich weiterzuentwickeln und spannende, neue Aufgabenfelder zu finden. Auch bei meinem zweiten Kind war eine Rückkehr zu meinem letzten Arbeitgeber nicht möglich, da die Firma in der Zwischenzeit leider den Firmensitz verlegt hatte. Aber auch hier habe ich die Gelegenheit genutzt und bin mit meinem jetzigen Job sehr glücklich.

Arbeiten zu gehen und zwei Kinder zu betreuen bedarf eines guten Time-Managements. Wie konntest du dir die Zeit effizient einteilen?

Frühes Aufstehen ist ein Muss, die Kinder müssen pünktlich ins Bett, damit sie in der Früh wirklich ausgeschlafen sind – gut gelaunt starten wir drei einfach besser in den Tag. Und natürlich muss mir am Abend noch Zeit für Haushalt und sonstiges bleiben. Oft endet der Tag erst gegen 22:00 Uhr, so bleibt mir jedoch untertags genug Zeit für Unternehmungen mit den Kindern.

Gab es Situationen in denen du das Gefühl hattest, deine Kinder zeitlich zu vernachlässigen?

Da ich durch meinen 20 Stunden Job gegen Mittag immer zu Hause bin, haben wir am Nachmittag oft Zeit etwas gemeinsam zu unternehmen. Nach anstrengenden Tagen, merkt man jedoch, dass man nicht immer so viel Geduld und Verständnis für die Kinder aufbringen kann, wie man es vielleicht möchte. Schade finde ich auch die etwas unflexiblen Zeiten der Kinderbetreuung, da mein Sohn oft länger bleiben muss als unbedingt notwendig. Gerade was die Hausübungsbetreuung betrifft, bin ich der Meinung, dass diese in Ruhe zu Hause einfach qualitativ besser funktionieren würde. Wichtig ist mir ein gemeinsames Abendessen um zumindest einmal am Tag zusammen zu sitzen und zu hören, was die Kinder so erlebt haben.

Judith mit ihren Kindern

Judith mit ihren Kindern

Welche anderen Probleme sind dir in Bezug auf den beruflichen Wiedereinstig besonders in Erinnerung?

Schwierig war für mich vor allem die Zeit der Eingewöhnung in die Krabbelgruppe und somit das Los-Lassen. Aber ich denke, umso wohler man sich mit der Betreuungseinrichtung fühlt, umso beruhigter kann man das Kind dort abgeben und es in sicheren Händen wissen. Nicht zu vergessen waren natürlich auch die Betreuungskosten, die besonders im Krabbelgruppenbereich das geringe Teilzeitgehalt ganz schön schmälern. Dank einer lieben Schwiegermutter und meiner eigenen Mutter konnte ich zumindest auch die Ferien oder Krankheiten der Kinder gut überbrücken ohne immer gleich Pflegeurlaub beantragen zu müssen bzw. die 6 Wochen Kindergartenferien zu deichseln.

Du meisterst diese Herausforderungen offensichtlich sehr gut! Hast du einen Tipp für Mütter und Väter die gerade vor dem beruflichen Wiedereinstieg stehen?

Wichtig ist sich früh genug um eine Betreuungsstelle zu kümmern. Oft sind die Plätze sehr begehrt und rasch vergeben. Zudem sollte für die Eingewöhnung genug Zeit eingeplant werden, damit dem Kind und der Mama die Trennung so leicht wie möglich gemacht wird. Das Ganze sollte als Chance gesehen werden, für die Eltern sich wieder beruflich zu engagieren und damit oft auch wieder eine ganz neue, interessante Welt abseits von Windeln & Babybrei zu genießen und für die Kinder zum Knüpfen toller neuen Spielkontakte und erlernen von sozialer Kompetenz in der Gruppe. Sollte es finanziell knapp sein, einfach nicht scheuen und nachfragen, es gibt viele Möglichkeiten bei den Betreuungskosten schnell und unkompliziert Unterstützung zu bekommen.

Autor: Julian Wolf
Bilder:
ZVG | Pexels