Das Fest der Liebe wird normalerweise im Kreise der Familie gefeiert. Es gibt aber Kinder und Jugendliche, die kein beständiges Zuhause haben, und in betreuten Einrichtungen bzw. in betreuten Wohngemeinschaften untergebracht sind. Wie sieht das Fest der Feste in solchen Einrichtungen aus? Wir haben mit der Sozialpädagogin für Kinder und Jugendliche, Mag. Eva Klugsberger gesprochen.

Frau Mag. Klugsberger, Sie sind seit 2013 bei der GÖK-Kinder- und JugendBetreuungsges.m.b.H in Salzburg tätig und arbeiten in einer betreuten Wohngemeinschaft. Wie viele Kinder und Jugendliche wohnen in der Wohngemeinschaft und in welchem Alter sind sie?

In unserer Wohngemeinschaft leben 8 Kinder zusammen in einem großen Haus in Salzburg. Unsere Jüngste ist 7 Jahre alt, 5 Kinder sind zw. 11 und 13, ein Mädchen 15 und der Älteste wird demnächst 16 Jahre.

Wie kann man sich Weihnachten in der WG vorstellen?

Wir feiern kurz vor Weihnachten alle gemeinsam, sprich alle Kinder, Jugendlichen und alle Betreuerinnen und Betreuer. Wir essen gemeinsam zu Abend, dann ertönt Christkindls Glöckchen und ein hell erleuchteter Baum mit vielen Geschenken darunter wartet auf uns. Wir singen ein paar Weihnachtslieder und verteilen anschließend die Geschenke, eines nach dem anderen, damit das Beschenkt werden auch deutlich wahrgenommen werden kann.

Für die wenigen Kinder, die keine Familie haben, die sie zu Weihnachten besuchen können und deshalb auch über die Feiertage in der WG bleiben, gibt es natürlich noch ein leises, feines Weihnachtsfest am 24. Dezember mit der diensthabenden Betreuerin. Es hat sich die letzten Jahre so ergeben, dass sich eine Kollegin für diesen Dienst freiwillig meldet und eine weitere für den 25. Dezember. Nach der Dienstübergabe feiern die beiden mit den Kindern noch einmal bei einem gemütlichen und ausgiebigen Brunch.

Für Kinder natürlich eine ganz wichtige Frage: Was gibt es zu essen?

Dieses Jahr konnten wir uns einen großen auswärtigen Weihnachtsschmaus leisten. In der Nachbarschaft gibt es ein asiatisches Restaurant auf Buffetbasis, das die Kinder lieben. Dort gehen wir auch heuer wieder hin und essen, so viel wir können! Natürlich müssen aber auch die selbstgebackenen Kekse danach noch Platz haben.

Gibt es spezielle Bräuche, Traditionen oder Werte die vermittelt werden sollen? Bzw. gibt es dahingehend Vorgaben von der pädagogischen Leitung oder liegt das bei jedem einzelnen Sozialpädagogen?

Da alle Betreuerinnen und Betreuer meines Teams aus Österreich stammen und mit den christlichen Ritualen rund um Weihnachten aufgewachsen sind, vermitteln wir trotz unterschiedlichen Bezugs zum Christentum gemeinsam die uns vertrauten Bräuchen und Traditionen. Es ist sozusagen eine Teamangelegenheit. Wir finden, die Adventszeit soll den Kindern zauberhaft, glänzend und funkelnd in Erinnerung bleiben.

Es ist uns besonders wichtig, menschliche und soziale Werte hoch zu halten: wir wünschen uns ein bisschen mehr Frieden, Zusammenhalt und Achtsamkeit als sonst in dieser Zeit. Leider ist es auch nicht von der Hand zu weisen, dass gerade die Zeit vor Weihnachten den Kindern sowohl schulisch, als auch emotional viel abverlangt. Zudem vermitteln uns Wirtschaft und Umwelt sehr intensiv das Bild von der heilen Familie. In dieser Zeit fehlen den Kindern ihre primären Bezugspersonen besonders und es wird ihnen offenbar, dass sie ihre Familien entbehren müssen. Dieser Umstand spiegelt sich verständlicherweise auch im Verhalten der Kinder wider.

Wie geht man mit anderen Religionen um?

Vier von unseren acht Kindern sind muslimischen Glaubens, drei sind Christen und ein Kind ohne Bekenntnis. Es haben alle Glaubensvorstellungen ihren Platz. Die weihnachtliche Atmosphäre in der Stadt, im Haus und wie wir hier Weihnachten feiern strahlen einen derartigen Zauber aus, dass sich niemand dem entziehen mag, egal, ob man die dahinterliegende Bedeutung des Festes für sich unterstreichen kann oder nicht.

Die ganze Stimmung nimmt die Kinder mit. Alle lieben es, Kekse zu backen – und zu essen natürlich. Alle bekommenen Geschenke. Alle haben ausgedehnte Schulferien. Unser Großer, ein unbegleiteter Flüchtling aus Afghanistan liebt den Krampusbrauch und lässt keinen Perchtenlauf aus, er steht dem Nikolaus Rede und Antwort. Unsere Kleine, ein türkisches Mädchen, lernt fleißig Nikolausgedichte und trägt sie dem weißhaarigen Mann mit zittriger Stimme vor. Sie ist auch diejenige, die die ganze Adventszeit ein Weihnachtslied auf den Lippen trägt.

Wer bringt die Geschenke? Das Christkind oder der Weihnachtsmann?

Natürlich bringt die Geschenke das Christkind! Wenngleich durch die kulturelle Diversität alles da sein darf. Der Weihnachtsmann ist mittlerweile überall sehr präsent und auch bei den Kindern ein Thema. Aber in Österreich kommt eben schon seit unserer Kindheit das Christkind und der Weihnachtsmann ist für andere Regionen dieser Welt zuständig, um Kinderaugen zum Leuchten zu bringen.

Autor: Claudia Topolic
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