M uttermilch enthält den optimalen Nährstoffmix für die gesunde Entwicklung eines Säuglings. Was sollten stillende Mamas bei der Ernährung dabei beachten? Und was kann man tun, wenn es mit dem Stillen nicht klappt? ​​ Wir sprachen dazu mit Dr. Gudrun Böhm, IBCLC Vizepräsidentin des Verbands der Still- und LaktationsberaterInnen in Österreich (VSLÖ).

Warum ist Stillen für die Mutter-Kind-Bindung so wichtig?

Stillen an der Brust im Besonderen und die Ernährung mit Muttermilch sind die menschenspezifische und an die Bedürfnisse des neugeborenen Menschen am optimalsten angepassten Ernährungsformen. Durch das Stillen wird die enge Bindung zwischen Mutter und Kind, die sich in den vorangegangenen 9 Monaten aufbaute, fortgesetzt. Das Baby erhält Nahrung, aber auch Nähe, Wärme und das Gefühl, geborgen zu sein. Über den anfänglich sehr engen direkten Hautkontakt bildet sich eine stabile Beziehung zu den Bezugspersonen (auch Väter können und dürfen in direktem Hautkontakt mit ihren Kindern kuscheln).

Wie kann man das Stillen am besten einrichten?

Wichtig ist es, sich bereits in der Schwangerschaft über die Realität des Lebens mit einem Baby zu informieren und Infos zum Stillen einzuholen. Es gibt Angebote von Geburtenstationen, Stillberaterinnen IBCLC und natürlich die im Mutter-Kind-Pass angebotene Hebammensprechstunde, in denen wichtige Informationen zum Stillbeginn vermittelt werden.

Dr. Gudrun Böhm

Dr. Gudrun Böhm, IBCLC Vizepräsidentin VSLÖ (Verband der Still- und LaktationsberaterInnen)

Geburtenabteilungen, die eine Zertifizierung zum „Babyfriendly Hospital“ besitzen, legen besonders Wert auf eine gute Stillbetreuung. Dort kümmern sich speziell ausgebildete Stillberaterinnen IBCLC (international board certified lactation consultant) um die frischgebackenen Mütter und stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

Die ersten Tage mit dem Neugeborenen legen den Grundstein für die weitere Stillbeziehung. In diesen Tagen ist es normal, dass das Baby sehr oft an der Brust saugen möchte (auch nachts). Das richtige Saugen und die optimalen Stillpositionen müssen geübt werden. Wenn das klappt (beim ersten Kind ist eine professionelle Unterstützung sicher hilfreich), steht einer angenehmen und erfolgreichen Stillzeit nichts mehr im Wege!

Welche Vorteile hat das Kind durch das regelmäßige Stillen?

Muttermilch enthält alles, was das Neugeborene benötigt, um sich gesund zu entwickeln. Jede auch noch so in der Werbung angepriesene Ersatznahrung kann nicht diese Fülle an Inhaltsstoffen bieten!

Muttermilch schmeckt nicht jeden Tag gleich, sondern wird beeinflusst durch die Nahrung der Mutter. Muttermilch reagiert auf Keime, die gerade „in der Luft liegen“ und schützt das Baby so sehr spezifisch vor aktuellen Krankheiten. Muttermilch hat aber auch langfristige positive Effekte auf das Risiko, zum Beispiel an Zuckerkrankheit oder Übergewicht sowie vielen Krebserkrankungen zu erkranken.

 Wie lange sollte man sein Kind stillen?

International wird empfohlen, ein Kind in den ersten 6 Monaten ausschließlich zu stillen und danach neben der Beikost weiterzustillen bis mindestens ins 2. Lebensjahr oder darüber hinaus, so lange Mutter und Kind das wollen. Muttermilch ist parallel zur Beikosteinführung ein wichtiger Faktor, um Nahrungsmittelallergien zu vermeiden.

Stillen in der Öffentlichkeit – geht das?

Stillen geht grundsätzlich überall! Nicht jede Frau möchte überall stillen und nicht jeder Ort ist geeignet, um dort ein Baby zu stillen.

Es gibt diverse Möglichkeiten, sein Kind auch in der Öffentlichkeit diskret stillen zu können (Tücher, Still-Tops, etc.). Andrerseits sollte sich in einer Gesellschaft, in der bloße Haut von Plakaten prangt niemand mokieren, wenn ein Baby sichtbar für Fremde seine – wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt schon dringend nötige – Nahrung erhält.

Worauf muss man bei der Ernährung in der Stillzeit achten?

Es kursieren viele Ammenmärchen zu Nahrungsverboten in der Stillzeit. Wenn man sich nach diesen Unwahrheiten richtet, dürfte man in der Stillzeit nur sehr selektiert essen. So ist es aber nicht! Stillende sollen sich ausgewogen und gesund ernähren und nur auf Nahrungsmittel verzichten, die ihnen selbst nicht guttun (Blähungen, Unverträglichkeiten, Allergien). Auf Alkohol sollte in der Stillzeit allerdings – wie auch in der Schwangerschaft schon – verzichtet werden.

Welche Alternativen gibt es, wenn Mütter nicht in der Lage sind, ihr Kind an der Brust zu stillen?

Wenn das Stillen direkt an der Brust aus irgendeinem Grund nicht funktioniert, ist die zweite Wahl abgepumpte Muttermilch. Diese kann auf unterschiedliche Arten verfüttert werden. Die verbreitetste Methode ist sicher die Flasche, es gibt aber auch Möglichkeiten, direkt an der Brust abgepumpte Muttermilch oder Ersatznahrung zuzufüttern.

Welche Tipps gibt es um Stillprobleme von Anfang an zu vermeiden?

Mütter sollten vorbereitet sein, dass das Stillen nicht immer automatisch klappt, sondern ein Lernprozess für Mutter und Kind ist. Die häufigsten Probleme entstehen durch falsches Saugen des Babys an der Brust. Darum sollte in den ersten Tagen eine Stillberaterin zur Verfügung stehen, um bei Bedarf korrigieren zu können.

Um den beiden Stillpartnern die Möglichkeit zu bieten, sich aufeinander einzustellen, braucht es in den ersten Tagen und Wochen viel Zeit zum Stillen. Termine, ständige Besuche und der Drang, seine Wohnung und die Fenster zu putzen sind dafür ein großes Hindernis. Hier können sich die frischgebackenen Väter, die bei solchen Themen immer viel zu kurz kommen, wunderbar einbringen: Wochenbettmanager! Sie sollen den Besuch koordinieren (oder falls zu viel auch mal abhalten!) und dürfen ihre Frau verwöhnen und ihr den Rücken stärken.

Als Belohnung erhalten sie einen gut gesättigten Säugling zum Kuscheln, während Mama mal Zeit hat, um in Ruhe unter die Dusche zu steigen!

Autorin: Dr. Gurdrun Böhm
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