Die Meinungen darüber, ob der in die Wiege gelegte Charakter, oder doch das soziale Umfeld prägender für die Entwicklung eines Kindes sind, gehen weit auseinander. Unbestritten ist, dass das direkte Umfeld einen großen Einfluss auf unsere Kinder hat. Wir haben uns außerhalb der „gewohnten“ Familienstrukturen umgesehen und mit der pädagogischen Leitung der Gesellschaft Österreichischer Kinderdörfer Salzburg, Frau Mag. Elke Fras, gesprochen.

Auf welche Faktoren nehmen Sie in den Kinderdörfern und Jugend-WGs besondere Rücksicht, um den Kindern stabile soziale Strukturen bieten zu können? Bzw. welche Faktoren definieren eine stabile soziale Struktur?

Lebensweltorientierung ist ein zentraler Punkt in unseren Wohngemeinschaften, bedeutet Alltagserfahrungen und Orientierung am Kindeswohl. Jedes Kind hat Recht auf Schutz, Förderung, Entwicklung sowie Partizipation. Kinder und Jugendliche werden alters- und entwicklungsgemäß unterstützt und gefördert. Verwirklicht wird dies durch das Beziehungsangebot unserer professionellen, facheinschlägig ausgebildeten MitarbeiterInnen und dementsprechende Unterstützungsangebote.

Als durchschnittliches österreichisches Kind hat man ein bis max. zwei Geschwister. In den Kinderdörfern plötzlich bis zu acht. Wie wirkt sich der vermehrte Umgang mit gleichaltrigen aus? Ergeben sich daraus gar Vorteile für die Entwicklung der Kinder?

In den einzelnen Wohngemeinschaften ist die Alterspanne, der insgesamt 8 untergebrachten Kinder bzw. Jugendliche, meist nicht homogen und stellt die pädagogischen MitarbeiterInnen und auch die Kinder und Jugendlichen selber vor immense Herausforderungen. Diese Tatsache bietet aber auch große Entwicklungschancen, wie soziales Lernen, da das Leben in einer großen Gemeinschaft sehr unterstützend und schützend sein kann.

Eine der größten Herausforderungen ist natürlich die Tatsache, dass die Kinder und Jugendlichen meist nicht freiwillig in den Wohngemeinschaften leben und sich daraus auch Probleme ergeben können. Manchmal ist es innerhalb der Gruppe schwierig ein friedliches Zusammenleben zu meistern und benötigt sehr viel Empathie von Seiten der pädagogischen MitarbeiterInnen.

An welchen sozialen Strukturen fehlt es in einem Kinderdorf/Jugend-WG im Vergleich zum familiären Umfeld, bzw. wo liegen die größten Herausforderungen für Kinder aber auch für die Erziehenden?

Prinzipiell fehlt es an keinen sozialen Strukturen in den Wohngemeinschaften, in denen Kinder und Jugendliche leben, die in ihrer Kindheit schwere Schicksalsschläge verkraften mussten, oder bei denen eine liebevolle Atmosphäre zwischen Eltern und Kindern nicht gewährleistet werden kann.

Die größte Herausforderung der Kinder und Jugendlichen liegt mit Sicherheit darin, dass sie in den wenigsten Fällen mitbestimmen können, ob sie in einer Wohngemeinschaft untergebracht werden oder nicht. Die größte Herausforderung für die Erziehenden liegt im Spagat zwischen den Bedürfnissen und dem Schutz der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen und der Zusammenarbeit mit den jeweiligen Eltern, wenn diese eigentlich mit der Unterbringung nicht einverstanden sind.

Autorinnen: Mag. Elke Fras | Stefanie Posch
Bilder: Adobe Stock

Über GÖK Salzburg

Die sozialpädagogischen Einrichtungen der GÖK bieten in belastenden familiären Situationen den Kindern und Jugendlichen einen geschützten Rahmen und ein „Zuhause auf Zeit“, in denen auf ihre Befindlichkeiten und Bedürfnisse mit viel Engagement und Empathie eingegangen wird.
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