Mit den steigenden Temperaturen startet auch wieder die Zecken-Saison. Und während das Jahr 2018 einen neuen Rekord im Zecken-Auftreten in Österreich brachte, sank auch die Impfmoral. Dass aber gerade die FSME-Impfung für Familien unverzichtbar ist, erklären zahlreiche Experten.

154 FSME-Fälle wurden 2018 in Österreich registriert. So viele, wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Für die Betroffenen bedeutet das teilweise schwere neurologische Verlaufsformen, bei manchen bis heute. Dabei ist die Durchimpfungsrate im internationalen Vergleich in Österreich recht hoch. Gründe für die hohe Fallzahl der FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) im letzten Jahr sind divers: zum einen war es sehr warm und das Wetter schön, was viele ÖsterreicherInnen im Freien verweilen ließ. Zum anderen war die Zeckendichte besonders hoch. Ebenfalls könnte eine nicht im richtigen Zeitfenster durchgeführte FSME-Auffrischungsimpfung ausschlaggebend gewesen sein.

Schutz für Kinder wichtig

Bereits mit den ersten wärmeren Temperaturen hat die Zecken-Saison bereits wieder begonnen. Zecken warten nicht – wie von vielen fälschlich behauptet – auf Bäumen, sondern lauern vielmehr in niederen Sträuchern oder Gräsern. Während Erwachsene häufig auf Extremitäten von Zecken gebissen werden, trifft es bei Kindern oft den Kopf- oder Halsbereich. Daher sollte man bei Kindern besonders auf das Einhalten des Impfintervalls – empfohlen sind alle 5 Jahre – achten. Die erste Impfung ist bei Babys ab einem Alter von 6 Monaten möglich. Für Senioren ist die Auffrischungsimpfung alle 3 Jahre empfohlen.

FSME-Expertenpool

Österreichs Impf-Experten sind sich einig: Es ist wichtig, das FSME-Impfschema einzuhalten.

Folgen sind oft schwer

2018 war der jüngste Patient erst 3 Jahre alt, der älteste 85. Unter den 154 FSME-Fällen waren 28 Kinder unter 15 Jahren. Dazu sagt Prof. Dr. Florian Thalhammer von der Klinischen Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin der MedUni Wien: „Jeder einzelne Patient ist einer zu viel. Wir könnten wesentlich weniger Fälle haben, wenn sich jede Österreicherin und jeder Österreicher konsequent impfen ließe.“ 77 Personen litten aufgrund der FSME an einem schweren Verlauf mit Beteiligung des Gehirns, der Gehirnhaut oder des Rückenmarks, nur ein Drittel wurde wieder vollständig gesund. Fünf Patienten sind 2018 an FSME verstorben.

„Viele Menschen vergessen aufs Auffrischen oder finden keine Zeit, extra deswegen zum Arzt zu gehen“, berichtet Dr. Rudolf Schmitzberger, Leiter des Referats für Impfangelegenheiten der Österreichischen Ärztekammer. Manche glauben auch, dass die letzte Impfung ohnehin länger wirksam ist. „Der nahezu hundertprozentige Schutz der FSME-Impfung ist nur dann gegeben, wenn das Impfschema eingehalten wird“, so Schmitzberger.

FSME-Impfaktion

In Österreich ist dazu die FSME-Impfaktion bereits angelaufen. In der Zeit zwischen Februar und August 2019 sind die Impfstoffe in den Apotheken zu vergünstigten Preisen erhältlich (Erwachsene € 35,80, Kinder € 31,30). Für FSME gibt es noch immer keine Therapie – nur die Prävention kann eine Erkrankung nach Zeckenbiss verhindern. Nach einem Aufenthalt im Freien, sollten daher folgende Tipps eingehalten werden:

  • Den Körper (eigener und der des Kindes) nach Zecken absuchen und entdeckte Zecken sofort entfernen.
  • Zum Entfernen keinesfalls Öl oder Sekundenkleber verwenden – mit einer Pinzette oder Zeckenzange vorsichtig entfernen.
  • Wenn sich nach etwa 4 Wochen ein rötlicher Kreis bildet, sollte eine mögliche Borreliose abgeklärt werden.
  • Bei grippeähnlichen Symptomen nach einem Zeckenbiss sollte man einen Arzt aufsuchen.

Autorin: Sarah Wenk
Bilder: Adobe Stock | Österr. Verband der Impfstoffhersteller/APA-Fotoservice/Hörmandinger