D ie Patchwork-Familie: unterschiedliche Konstellationen, variantenreiche Persönlichkeiten, hohe Altersunterschiede, viele Personen, verschiedene Lebenssituationen – und das alles auf engem Raum. Kann das funktionieren? Wenn ja worauf ist zu achten und wo liegen die Chancen? Ein persönlicher Einblick in eine noch sehr junge Patchwork-Familie.

Du bist seit einem guten Jahr in der Situation einer Patchwork-Familie. Bitte beschreibe uns kurz die Zusammensetzung deiner mittlerweile doch sehr stark gewachsenen Familie!

In unserer Familie sind wir zu sechst – das älteste Kind ist ein Mädchen (Tamara 13) und dann folgen drei Jungs (Tobias 12, Benjamin 7 und Sebastian 3), meine Freundin (Ruth 34) und ich (Thomas 35).

Für ein funktionierendes Familienleben müssen alle an einem Strang ziehen, auch die Ex-Partner. Wie funktioniert die Abstimmung und die Beziehung zu euren Ex-Partnern in Bezug auf die Kindererziehung?

Eine gute Kommunikation ist nach Trennungen von Familien extrem wichtig, sonst wird man von den Kindern gern „ausgespielt“. Man muss ständig daran arbeiten, denn Eltern bleiben wir ja unser Leben lang!

Thomas Sturm

Thomas, seit ca. einem Jahr in einer Patchwork-Familie

Wir haben uns eine gute Basis mit beiden Ex-Partnern geschaffen, was es uns erlaubt, unseren Kindern die gleichen Werte zu vermitteln.

Eine Patchwork-Familie bringt viele neue Gegebenheiten aber damit auch Reibungspunkte mit sich. Worin siehst du die größten Herausforderungen im täglichen Zusammenleben?

Seit wir zwei Badezimmer haben, beschränken sich die meisten Herausforderungen auf die Befriedigung der unterschiedlichen Ess-Gewohnheiten bzw. -Vorlieben. Auch die gemeinsame Freizeitgestaltung ist manchmal ein kleiner Reibungspunkt – die Interessen der Kinder sind aufgrund des Altersunterschiedes doch sehr verschieden. Jetzt haben die großen Kinder kleine Geschwister und umgekehrt – Neuland für alle!

Wie versucht ihr diese kleineren und auch größeren Schwierigkeiten zu lösen?

Viel reden – das hilft vor allem den Kindern, mit der neuen Lebenssituation umzugehen – und klare Regeln die gut erklärt werden – nur so kann zB die “Gitterbettsperre”(Schlafenszeit) verständlich gemacht werden.

Was schätzt du an deiner neuen Lebenssituation am meisten? Gibt es schöne Momente, die sich nur durch eine Patchwork-Familie ergeben und in einer „üblichen“ Familie in dieser Art gar nicht möglich wären?

Die gibt es tatsächlich – denn es kommt ansonsten kaum vor, dass man auf einmal ältere Geschwister hat. Zudem haben sowohl meine Freundin als auch ich, plötzlich vier statt zwei Kinder – wobei sich  keiner von uns vor zwei Jahren vorgestellt hat, Elternteil von zwei zusätzlichen Kindern zu sein! Die Vielfalt der Charaktere macht das Haus vermutlich noch lebendiger (und manchmal auch lauter), als es bei vergleichbaren „üblichen” Familien der Fall ist!

Eine Patchwork-Familie ist natürlich nicht planbar, sie entsteht meist aus mehreren Lebensumständen. Was möchtest du den Leuten mitgeben, die sich gerade in dieser Lebens-Umstrukturierung befinden?

Geduld, Verständnis und Flexibilität – es ist ein Prozess, der vermutlich für jeden „Beteiligten“ unterschiedlich lange dauert. Dabei gilt besonderes Augenmerk auf jedes einzelne Kind und darauf, weder den Partner noch sich selbst zu überfordern!

Vielen Dank für das Gespräch und den Einblick in dein Familienleben!

Autor: Julian Wolf
Bilder: ZVG | Pexels