S chmerzen sind bei uns Menschen eine der häufigsten Gesundheitsbeeinträchtigungen. Besonders bei Kindern gilt es, über einige Besonderheiten Bescheid zu wissen um als Eltern richtig mit den Schmerzen des Kindes umgehen zu können.

Kinder müssen erst lernen, ihre Schmerzen richtig zu zeigen und zu beschreiben, was ihnen wo weh tut, denn Kinder haben dazu keine Erfahrung. Sehr lange wird bei jeglichen Schmerzen auf den eigenen Bauch gezeigt, auch wenn der Kopf oder das Knie weh tut. Es ist für Eltern daher besonders wichtig, die Körpersprache des Kindes richtig zu deuten, denn erst dadurch wird oftmals die richtige Lokalisation vermittelt. Säuglinge zum Beispiel reiben sich häufig am Kopf, wenn sie Ohren- oder Halsschmerzen haben, eine Schonhaltung beim Aufstehen oder Gehen kann auf Schmerzen im Bauch oder der Hüfte hindeuten.

Schmerzen bei Kindern, vor allem Bauchschmerzen, sind eine der häufigsten Ursachen, warum Kinder bei der Kinderfachärztin vorgestellt werden.

Barbara Hahn

Barbara Hahn, BSc, Pflegedirektorin und Geschäftsführerin des St. Anna Kinderspital

Schmerz ist für den Körper extremer Stress und gilt immer als Warnsignal, dass etwas im Körper nicht stimmt und wird häufig von anderen Symptomen wie Fieber, Schwitzen oder Appetitlosigkeit begleitet.

Wie sollten Eltern bei Schmerzen reagieren?

Wenn Kinder Schmerzen haben ist es wichtig dass sie die Erfahrung machen können, dass ihre Eltern unterstützend für sie da sind und sie sich auf die Mama oder den Papa verlassen können, und die Schmerzen gelindert werden. Das Kind  soll lernen, mit Schmerz besser umgehen zu können. Angst ist ein wesentlicher Faktor, der Schmerzen verstärken und das Schmerzempfinden verlängern kann. Viele von uns Erwachsenen haben kaum gelernt, mit Schmerzen umzugehen, Schmerzen mussten „erduldet werden“ und außer der Einnahme eines Schmerzmittels gab es kaum Ablenkung.

Nachdem es aber ein sogenanntes „Schmerzgedächtnis“ gibt, ist es wichtig, dass schon Kinder lernen, mit Schmerzen umzugehen. Schmerzgedächtnis heißt, dass alle unsere erlebten Schmerzen unserem Gehirn in Erinnerung bleiben und im schlimmsten Fall zukünftige Schmerzen immer schlimmer und schlimmer erlebt werden. Wickel und Umschläge mit gut riechenden Ölen, Massagen und schmerzfrei lagern sind nicht-medikamentöse Möglichkeiten, Kinder (und auch wir Erwachsene können das noch lernen!) von ihren Schmerzen abzulenken bzw. Strategien zu erlernen, wie sie mit Schmerzen besser umgehen können und vorangegangene Erfahrungen im „Schmerzgedächtnis“ gelöscht bzw. abgeschwächt werden.

Mädchen mit verletztem Knie weint

Wenn Kinder sich verletzen ist es für Eltern wichtig Ruhe zu bewahren.

Strategien gegen die Schmerzen

Messungen und Beobachtungen bei kleinen Säuglingen während einer Impfung haben gezeigt, dass durch gleichzeitiges Stillen oder durch die Verabreichung einer kleinsten Menge saccharosehaltiger Flüssigkeit, die Ausschüttung körpereigener Endorphine zu einer Schmerzlinderung führt und so die Schmerzreaktion abgeschwächt wird. Das Schmerzgedächtnis wird dabei nicht ausgeschaltet, das Kind empfindet den Schmerz aber in geringerem Maße.

Kleinkinder werden aktiv durch die Konzentration auf einen anderen Reiz abgelenkt, in dem zum Beispiel in einem Bild ein bestimmtes Tier gesucht werden soll, mit einem Kaleidoskop gespielt, aber auch das eigene Kuscheltier zur Unterstützung herangezogen werden kann. Auch gemeinsames Aufsagen von Reimen oder Singen von Liedern kann gut zu einer Ablenkung führen. Anschließendes Lob über die tolle Mitarbeit ermutigt das Kind, sich der eigenen Kompetenz bewusst zu werden und diese in weiterer Folge wieder anzuwenden.

Schulkinder können gut mit Traumreisen, Atemübungen, Quetschen von Gummibällen aber auch mit audio-visueller Ablenkung durch kurze Musikvideos, Lieblingsserien schauen und eher unbeliebt, aber effektiv –  mit Kopfrechnen – abgelenkt werden!

Ab wann ist ein Arzttermin nötig?

Eltern haben – neben der Verabreichung von Schmerzmittel nach Rücksprache mit ihrer Kinderfachärztin – viele Möglichkeiten, ihre schmerzgeplagten Kinder zu unterstützen und Maßnahmen anzuwenden, die lindernd und beruhigend sind.

Schmerzen, die jedoch länger als sechs Stunden anhalten, wenn sich der Allgemeinzustand verschlechtert oder zusätzliche Krankheitssymptome dazukommen, dann soll jedenfalls die Kinderfachärztin bzw. eine Kinderambulanz aufgesucht werden.

Autor: Barbara Hahn, BSc
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