I mmer öfter sind beide Elternteile arbeitend und nicht jede Familie hat die Möglichkeit auf Großeltern, Onkeln und Tanten zurück zu greifen. Sahra Fuchs ist ist gruppenführende Hortpädagogin und spricht darüber, was der Unterschied zwischen Schule und Kinderhort ist und für welche Familien diese Option durchaus Sinn macht. 

Wie unterscheidet sich ein Kinderhort zum Kindergarten?

Grundsätzlich das Alter und die angebotenen Aktivitäten. Während im Kindergarten die 3-6-Jährigen im Morgenkreis singen, spielen und Gedichte üben, müssen die 6-10-Jährigen im Hort Mittagessen, sich um ihre Hausaufgaben kümmern und zugleich den Alltag mit 24 anderen Kindern, einer PädagogIn und einer AssistentIn bestreiten.

Was sind Ihre Aufgaben als Betreuerin im Kinderhort?

Psychologin, Erzieherin, Hausfrau, Trösterin, Chefin, Freundin, Lehrerin, Managerin, Organisatorin, …

Sahra Fuchs

Sahra Fuchs, Gruppenführende Hortpädagogin

Die Liste ist endlos und ich gebe mir alle Mühe diesen Pflichten bestmöglich nachzukommen, den Kindern ein angenehmes Umfeld zu bieten, in dem sie sich sicher und wohl fühlen – etwas, das auch nötig ist, da das Kind praktisch die Hälfte seines Tages bei mir in der Gruppe verbringt. Doch grundsätzlich teilt sich meine Aufgabe in zwei Teile: Freizeitgestaltung und Lernen. Ich bin dafür zuständig, dem Kind verschiedene Möglichkeiten der Freizeitgestaltung zu zeigen, als auch dafür, dass es organisiert und strukturiert, möglichst selbstständig und ordentlich, seine Hausaufgabe erledigt. Aufgaben, die in Betracht der Individualität eines jedes Kindes, die es zu respektieren gilt, zur interessanten, täglichen Herausforderung werden.

Also ist ein Hort eine Art Nachmittagsschule?

Ganz und gar nicht. Die Unterschiede zwischen einer Ganztagsschule und einem Hort sind enorm. In der Ganztagsschule wird auch am Nachmittag mit ausgebildetem Lehrpersonal unterrichtet, während der Hort weder ein Nachhilfeinstitut ist, noch Interesse daran hat, den Lehrstoff am Vormittag fortzuführen. Als Pädagogin bin ich für die Korrektur der Hausaufgaben und der Beantwortung kleinerer Verständnisfragen verantwortlich – sollte ein Kind eine tatsächliche Lernschwäche aufweisen, oder massive Probleme mit gewissen Themen haben, informiere ich Eltern und Lehrer, um somit eine gemeinsame Lösung zu finden. Ein weiterer Punkt, der sich zur Ganztagsschule unterscheidet: Im Hort arbeitet ein Dreieck-Team, bestehend aus Eltern, HortpädagogIn und LehrerIn zusammen, während die Ganztagsschule als eigenständiges und unabhängiges Institut arbeitet.

Für welche Familien bietet sich diese Art der Nachmittagsbetreuung also an?

Prinzipiell bringt der Hort jeder Familie Vorteile, die meisten Profite haben jedoch vermutlich Familien mit Migrationshintergrund, die Deutsch-Hausaufgaben aufgrund einer anderen Muttersprache nicht optimal korrigieren können, Alleinerziehende, denen abends, nach einem anstrengenden Arbeitstag, die Kraft und Geduld fehlt, mit Ihrem Kind noch Schulisches zu erledigen, bzw. die die wenige Freizeit mit ihrem Kind liebevoll verbringen wollen, anstatt schulisch, oder Familien, die Oma, Opa und Freunde nicht auf Abruf parat haben, damit ihr Kind nach der Schule abgeholt und versorgt wird.

Gibt es noch etwas, dass Sie den Eltern mit auf den Weg geben wollen?

Im Laufe der Zeit bin ich immer wieder Eltern mit einem schlechten Gewissen begegnet, die sich einen Vorwurf machen, dass sie ihr Kind von 8-17 Uhr in Schule und Hort geben, wofür es jedoch keinerlei Grund gibt. Niemand gibt sein Kind aus Desinteresse, oder mangelnder Zuneigung in eine Fremdbetreuung, ganz im Gegenteil. Eltern gehen arbeiten, um Ihrem Kind eine bestmögliche Versorgung bieten zu können und niemand, am wenigsten die PädagogIn, wird sie dafür verurteilen.

Ein wichtiger Ratschlag ist außerdem, um das elterliche Seelenwohl zu gewährleisten, dass sie einen Hort wählen, der ihnen das Gefühl gibt, dass ihr Kind den Tag über bestmöglich versorgt ist und sich wohl fühlt. Danach kann kaum mehr etwas schiefgehen.

Autor: Sahra Fuchs
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