E ine (historisch lang andauernde) Wahl hat Österreich gerade hinter sich, die nächste steht knapp vor der Türe und im neuen Jahr gehen die Wahlen in den Ländern munter weiter. Jugendliche dürfen ab 16 über die Zukunft des Landes mitentscheiden. Aber woher hat mein Kind seine Einstellungen und vor allem, wie steht es um das Demokratieverständnis?

Diese Fragen stellen sich in Österreich viele Eltern. Kinder und Jugendliche beziehen ihre Meinungen nicht mehr nur von zu Hause, der Familie, Freunden und dem sozialen schulischen Umfeld. In der heutigen Zeit prasseln etliche vorgefertigte Meinungen auch aus dem Netz auf die Kinder ein.

Aufbau des Demokratieverständnisses

Diese Informationsflut führt dazu, dass junge Menschen keine Zeiträume mehr finden, um diese Informationen auch zu überprüfen, zu verarbeiten und kritisch zu reflektieren. Zusätzlich dazu befinden sich Jugendliche in einer sensiblen Lebensphase, spüren Unsicherheiten und suchen nach Orientierung und Geborgenheit.

Bestehen vorgefertigte Meinungen in dieser Phase also bloß nebeneinander, ohne aktive Interaktion, kann Demokratieverständnis nur schwer aufgebaut und in weiterer Folge weiterentwickelt werden. Es braucht also eine aktive Auseinandersetzung.

Ein praxisnahes Rollenspiel

Ein neu entwickeltes Rollenspiel fördert und fordert diese Interaktion und widmet sich der Herausforderung, Jugendlichen Demokratie näher zu bringen. Das Planspielzentrum hat gemeinsam mit dem Senat der Wirtschaft „Das Demokratieplanspiel ZAG – Zukunft Aktiv Gestalten“ entwickelt.

Das Ziel dieses Spiels ist es, es spürbar zu machen, was es heißt Interessen zu haben und diese auch zu vertreten. Dazu werden den Jugendlichen verschiedene Rollen zugeteilt. Sie schlüpfen in die Positionen verschiedener Stakeholder-Gruppen (bspw. Gewerkschaft, Industrie, NGOs, und viele andere mehr). Damit wird spielerisch darauf aufmerksam gemacht, dass sie selbst bestimmte Interessen zu konkreten Themen haben und diese nicht deckungsgleich mit den Meinungen anderer sind.

Dadurch werden praxisnah Prozesse erläutert und Demokratie wird greifbar. Eigene Meinungen werden auf den Prüfstand gestellt und andere Standpunkte werden zugelassen, um zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen. Zuhören und Konfliktfähigkeit sind gefragt.

Einen Einblick in den genauen Ablauf in das Planspiel gibt das folgende Video:

Das Demokratieplanspiel ZAG wurde entwickelt, um Jugendliche in ganz Österreich fit für Demokratie zu machen. Ziel ist es, es an so vielen Schulen wie möglich durchzuführen.

„Politik jünger zu machen heißt Jugend zu ihrer Mündigkeit zu führen.“

Karl Kaiblinger, Österreichisches Planspielzentrum

Karl Kaiblinger
Hans Harrer

„Wahlkämpfe sind nie Hochblütezeiten des zivilisierten Umgangs mit den politischen MitbwerberInnen. Wenn sich junge Menschen aber aufgrund dieser Auswüchse angeekelt von der Politik abwenden, dann ist unsere Demokratie ernsthaft in Gefahr! Die Funktion der Demokratie muss daher verstanden werden und dafür leistet ZAG einen ganz wesentlichen Beitrag!“

Hans Harrer, Vorstandsvorsitzender, SENAT DER WIRTSCHAFT

Autorin: Isabella Auer
Bilder:
ZVG | Planspielzentrum