D as Eltern sein ist eine wunderschöne Zeit die einem viel abverlangt. Die Meisten glauben, als Großmutter wird das einfacher. Michaela, inzwischen zweifache Oma, erzählt uns wie es für sie war, als sie das erste Mal zur Oma wurde und wie sehr das Oma-Dasein doch an ihren Kraftreserven gezehrt hat.

Auf welche Weise hast du erfahren, dass du Großmutter wirst und wie fühlt man sich als werdende Oma?

Nachdem ich schon lange den Wunsch nach einem Enkerl hatte, war ich natürlich total gerührt, als mich am Morgen meines 50. Geburtstags mein Sohn und meine Schwiegertochter mit einem Schnuller überrascht haben. Demnach war meine Reaktion „ENDLICH WERD ICH OMA“ so emotional, dass ich beim anschließend stattfindenden Malkurs aus Angst loszuheulen, nicht in der Lage war meine Freude mitzuteilen.

Die Schwangerschaft war dann eine lange, aufregende Zeit voller Vorfreude auf den kleinen Knirps. Ich habe zwar insgeheim gehofft, dass das kleine Würmchen doch noch ein Mäderl wird, aber kaum war das süße Teilchen da, war es völlig egal, dass ich nach 2 Söhnen nun auch noch einen Enkelsohn hatte.

Michaela mit ihrem Enkel

Michaela mit ihrem Enkel

Ab wann bzw. in welcher Intensität durftest du dein Enkelkind dann schon sehen und Babysitten?

Das Omadasein bekam ich 2 Wochen nach seiner Geburt schon voll zu spüren, denn die frischegebackenen Eltern litten heftig an Schlafentzug und vertrauten mir das Baby gleich über Nacht an. Bereits da wurde mir klar, dass so ein neues Verantwortungsgefühl einen fast erschlagen kann. Von schlafen war gar keine Rede, nicht nur, weil der kleine Quälgeist mich vorerst ziemlich auf Trab hielt, sondern weil ich die ganze Nacht fast atemlos verbracht habe, nur um zu hören, dass das Baby brav atmet.

Demnach zehrt das neue Verantwortungsgefühl auch an der Kraft?

Ja, und da ich ganz wild auf mein Enkerl war, habe ich ihn natürlich auch sehr oft bekommen. Doch mir wurde immer klarer, dass ein Baby, das sich rückblickend als Mutter eigentlich ganz locker in den Tag integriert hat, als Großmutter schon um einiges mehr an Substanz forderte. Ich war nach jedem Sitttag derart geschafft, dass ich zu nichts weiterem mehr fähig war.

Am kräfteraubendsten waren vor allem die Nächte. Nicht, weil er nicht schlief, sondern weil ich mich nicht schlafen traute. Eigentlich wartete ich von einem Füttern, Bäuerchenmachen, Wickeln, auf das nächste Füttern, Bäuerchenmachen, Wickeln, bis zum Morgen. Da wusste ich allmählich, dass ich alt war.

Daher finde ich es mittlerweile logisch, dass es von Natur aus vorgesehen ist, dass Mütter jung sein sollten und spätberufene Erstgebärende (ich meine hier die künstlichen über 50-Mütter) mit Sicherheit mehr auf Hilfe angewiesen sind. Denn, auch wenn man dann vielleicht mehr Zeit für das Kind hat, so zehrt es doch um einiges massiver an den Kraftreserven. Als Oma haben Babysittingzeiten ja immer ein Ende, aber als Mutter ist man im Dauereinsatz und das, was für junge Mütter eigentlich ganz normal ist, kann für eine alte Mutter schon sehr hart werden.

Wieviel Hilfe ist noch gut und wann wird’s zu viel?

Mein Wunsch als Oma war natürlich, viel Zeit mit meinem Enkerl verbringen zu können und daher war ich natürlich froh, dass ich die nötige Zeit hatte und ebenso freute mich die Bereitwilligkeit, mit der mir der Kleine von Anfang an überlassen wurde.

Doch wie es eben die heutige wirtschaftliche Situation einer jungen Familie erfordert, war es auch für meine Schwiegertochter bald wieder an der Zeit, in die Arbeitswelt zurückzukehren. Und da wurde ich dann mehr und mehr zur Tagesmutter, bis mein Enkel schließlich in die Krabbelstube gehen konnte. Und auch, wenn ich keine Befürworterin dieser frühen Fremdversorgung für Kleinkinder bin, so wäre ich als Großmutter gar nicht mehr wirklich in der Lage, jeden Tag zu Babysitten. Denn wie bereits erwähnt, fordert die Bespaßung und Versorgung so viel Kraft, dass ich für den Rest des Tages ausgepowert bin und nicht mehr wirklich was ausrichte.

Bei mir wuchs mit steigender Beanspruchung dann der Wunsch, wieder „nur“ Omi sein zu können. Und zum Glück pendelte sich das dann wieder auf einmal die Woche ein, und die zunehmende Belastung wandelte sich wieder in Freude.

Wie steht es mit der Einmischung in die Erziehung? Darf ich als Großmutter erziehen oder wird das eher als einmischen empfunden?

Ich hatte nie vor, mich einzumischen. Anfangs habe ich mich informiert, wie die Eltern die Fütterungszeiten, die Schlafzeiten etc. handhaben, doch im Grunde ergibt sich das alles ganz von alleine. Ich glaube, dass Großeltern ganz instinktiv das Richtige tun. Und wenn die Eltern irgendwas anders machen wollen als die Generation vorher, dann erfährt man das schon.

Das einzige, bei dem ich nicht mitgemacht habe, war das Wachhalten, damit der Kleine am Abend früh schläft und die Eltern einen ruhigen Abend verbringen können. Klar wäre das für die Eltern toll gewesen, doch ich halte ein Baby oder ein Kleinkind nicht vom Schlafen ab, wenn es müde ist, denn das empfinde ich als Folter. Aber sonst gab es keine Reibungspunkte und ich darf meine, mittlerweile zwei Enkerl soviel verwöhnen wie ich will.

Ab wann werden die Enkerl von den Großeltern zu sehr verzogen?

Das ist doch das Vorrecht von Großeltern! Denn was gibt es schöneres, als die leuchtenden Augen, wenn sie tun dürfen, was sie zu Hause eben nicht tun dürfen. Wenn sie eine DVD ein zweites Mal anschauen wollen, dann fangen sie sowieso mittendrin wieder an zu spielen, doch wenn ich sagen würde „ein Film ist genug“, dann würde die Diskussion länger dauern und am Ende müßte ich vielleicht trotzdem nachgeben.

Und da ich sie fast immer in meinem Atelier beaufsichtige, habe ich sogar das Glück, dass ich nicht einmal einschreiten muss, wenn sie anfangen Wände zu bemalen. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass es Klagen gegeben hätte, dass sie diesen Unfug zu Hause fortgesetzt hätten. Sie haben sich bei mir ausgetobt und das war’s dann.

Vielen Dank für das Gespräch!

Autor: Julian Wolf
Bilder:
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